Kastration

Viele Tierärzte wollen noch immer nicht die Vorteile einer Kastration vor der ersten Läufigkeit akzeptieren. Tatsache ist jedoch, dass ich in meiner Praxis seit rund achtzehn Jahren Hündinnen vor der ersten Läufigkeit im Alter von rund fünf Monaten kastriere.
Seit rund zehn Jahren ist es auch die Lehrmeinung am Tierspital Zürich.

Wie auch Studien von Dr. M Casal und J. Sommerhalder und die Dissertation von Nicole Stöcklin-Gautschi von der Klinik für Gynäkologie der Haustiere der Universität Zürich belegen, bringt diese frühzeitige Kastration folgende Vorteile mit sich.

1. Die Gefahr der sogenannten Inkontinenz (Harnträufeln), die bei Hunden über 15 Kilogramm Gewicht nach einer Kastration nach der ersten oder zweiten Läufigkeit auf rund zwölf Prozent veranschlagt wird, schwand in meiner Praxis auf unter zwei Prozent.

2. Das Risiko für eine spätere Neigung zur Tumorbildung in den Milchdrüsen (Mammatumor) wird auf ein Minimum reduziert.

3. Haarkleidveränderunge ("Babyfell") im Anschluss an die Kastration bei langhaarigen Hündinnen wie beispielsweise Setter, Langhaardackel her bei keiner der Hündinnen mehr beobachtet.

Scheinträchtigkeiten, die auf eine gestörte hormonelle Tätigkeit der Eierstöcke hindeuten und der Hündin und ihrem Besitzer oft trübe Tage bescheren, fallen nach der Kastration weg.
Die von uns früher vertretene Meinung, Hündinnen erst nach der ersten oder zweiten Läufigkeit zu kastrieren, kann ich heute nicht mehr vertreten, da keinerlei Nachteile im Vergleich zur Operation nach der ersten Läufigkeit in Kauf genommen werden müssen
Die zweite Möglichkeit einer hormonellen Kastration, beschränke ich in meiner Praxis auf ein Minimum, da die möglichen Komplikationen (z.B. Gebärmuttervereiterung ) nie ganz zu verhindern sind.

Kein Muss

Es steht jedem Besitzer frei, seine Hündin kastrieren zu lassen oder der Natur ihren Lauf zu lassen - doch wenn Kastration, dann besser vor der ersten Läufigkeit.

Verlauf der Operation bei der Hündin

Bei der Operation werden der Hündin in Vollnarkose, bei intakter Gebärmutter, lediglich die beiden Eierstöcke entfernt. Liegt eine Erkrankung der Gebärmutter vor, wird diese während der gleichen Operation entfernt. Nach neun bis zehn Tagen werden die Fäden gezogen. Alle Kleintierspezialistinnen /-spezialisten führen diese Routineoperationen durch.

Beim Rüden ist die Kastration in der Regel zu befürworten, wenn man sich im Klaren ist, dass der kastrierte Rüde ruhiger wird und zur Verfettung neigt, dem sogenannten "Eunuchen-Habitus". Positiv ist dann jedoch doch sein sozialeres, von Sexualhormonen nicht mehr fehlgeleitetes Wesen zu sehen.

Rüden

Rüden kastriert man entweder aus medizinischen Gründen, wie beispielsweise einer Prostatavergrösserung oder infolge eines übersteigerten Sexualverhaltens. Das äussert sich etwa in Beissereien mit anderen Rüden.
Im Vorfeld können solche Rüden auf hormoneller Basis mittels Injektionen von Hormonen in einen Zustand wie nach einer Kastration gebracht werden. Dies ermöglichst dem Besitzer, besser zu beurteilen, wie sich sein Männchen nach einer nicht mehr rückgängig zu machenden Kastration verhalten würde.

Verlauf der Operation beim Rüden

Bei der Kastration wird hinter dem Hodensack in Vollnarkose ein kleiner, rund drei Zentimeter langer Schnitt gemacht und die beiden Hoden durch denselben entfernt. Der Hodensack selber wird bei dieser Operationstechnik nicht verletzt. Die drei bis vier Nähte werden nach acht bis zehn Tagen entfernt.

© Heinz Berli