Lieblinge der Kinder

Meerschweinchen gehören zu den am häufigsten gehaltenen Haustieren. Die südamerikanischen Nager stellen aber gewisse Ansprüche an Haltung und Ernährung.

Das Meerschweinchen wurde im 16. Jahrhundert bekannt, als holländische Eroberer diesen in Südamerika ansässigen Nager nach Europa brachten. Die ersten Menschen, die das Meerschweinchen domestizierten, waren Indianer, die in den peruanischen Anden lebten. Sie hielten die kleinen Nager als Nahrungsquelle.
Heute hat das Meerschweinchen bei uns längst einen anderen Stellenwert. Sie gehören zu den am häufigsten gehaltenen Nagern in unseren Wohnungen, und sie sind die Lieblinge der Kinder.
Keine Einzelhaltung
Das Meerschweinchen ist ein geselliges Rudeltier. Vor der Einzelhaltung ist deshalb dringend abzuraten. Meerschweinchen können in einem genügend grossen Aussengehege oder auf dem Balkon auch ohne Probleme das ganze Jahr über im Freien gehalten werden. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Fütterungs- und Schlafplätze trocken gehalten werden können und der Bewegungsraum ausreichend ist. In einer Wohnung sollte das Gehege genügend gross sein und mindestens 100 mal 150 Zentimeter pro zwei Tiere betragen.
Je grösser der Lebensraum und je vielfältiger die Wohnlandschaft für diese kleinen Gesellen gemacht wird, um so wohler fühlen sie sich. Handelsübliche Käfige entsprechen selten den geforderten Normen. Plastik, Metall oder wasserabstossendes Holz eignen sich am besten als Unterlage, da sie besser zu reinigen sind als unbehandeltes Holz. Meerschweinchen sind Fluchttiere. Sie brauchen Unterschlüpfe in Form von hohlen Baumrinden oder Holzhäuschen, damit sich die Tiere zur Nachtruhe oder bei vermeintlicher Gefahr zurückziehen können.
Ein Spaziergang im Wald verhilft künftigen Meerschweinchenbesitzern zu weiteren sowohl optischen wie auch für die Tiere abwechslungsreichen Gestaltungen einer Meerschweinchenlandschaft. Der Käfigboden ist mit Torf und Hei wich auszulegen. Das Reinigen des Käfigs sollte mehrmals pro Woche erfolgen. Das Trinkgefäss jedoch muss täglich gewaschen und neu gefüllt werden.
Heu und abwechslungsreiches Grünfutter bilden den Hauptanteil der Ernährung. Die Körnerfütterung ist nur bei der Aussenhaltung zu empfehlen. Verfettung infolge Überfutterung und mangelnder Bewegung ist eine häufige Todesursache bei Meerschweinchen, die in zu engen Käfigen gehalten werden. Da Meerschweinchen Vitamin C nicht selber bilden können, sollten ihnen Löwenzahnblätter oder, im Winter, Grünkohl angeboten werden.
Das durchschnittliche Lebensalter dieser Tiere liegt bei vier bis sieben Jahren. MännlicheTiere sind mit fünf Wochen, weibliche mit drei Wochen geschlechtsreif. Die Tragzeit beträgt im Durchschnitt 68 Tage. Sie schwankt jedoch zwischen 58 bis 72 Tagen, je nach Grösse des Wurfes. Drei bis vier Junge (es können auch bis zehn sein) sind pro Wurf zu erwarten. Wenn Männchen und Weibchen zusammen gehalten werden, ist der Geburtenregelung gebührende Beachtung zu schenken, denn das Gehege könnte schnell übervölkert werden. Die einfachste Lösung: Männchen können schon ab der vierten Wochen kastriert werden.
Zahnfehlstellungen, Tumore, Eierstockzysten, Ballendruckstellen, um nur einige der Probleme aus der täglichen Praxis zu nennnen, sind Anzeichen von unsachgemässer Haltung sind Inzucht dieser Tiere.

Wie Zwerghasen

Häufig warten Besitzer kranker Meerschweinchen zu lange mit dem Besuch beim Kleintierarzt. Viele der hier beschriebenen Haltungsprobleme treffen natürlich auch auf die Zwerghasen, die eigentlich Zwergkaninchen sind, zu. Deshalb, und weil Ostern vor der Türe steht, bedenken Sie vor dem Kauf eines "Osterhasen", dass auch diese Tiere in einem Käfig nicht ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten werden können.
Vor dem Kauf und dem Bau eines für Meerschweinchen artgerechten Geheges empfehle ich Ihnen das Büchlein von Ruth Morgenegg "Artgerechte Haltung - ein Grundrecht auch für Meerschweinchen " zu lesen. Es ist erhältlich bei "Buch 2000, Postfach 62, 8912 Obfelden (bitte frankiertes Antwortcouvert und Fr. 6.00 in Briefmarken beilegen).

© Heinz Berli