Die Leber : Das Entgiftungsorgan

Kater Carlo kann es nicht lassen, alle neuen Pflanzen seines Frauchens immer einer genauen Kontrolle zu unterziehen. Reinzubeissen und runterzuschlucken gehört natürlich auch zu diesem Verfahren.

Eine Pflanze hat es ihm besonders angetan – die milchige Flüssigkeit in den Blättern schmeckt ja auch ganz besonders. Nach einigen Tagen jedoch mag er weder sein heissgeliebtes Futter, noch führt er sich in der Laune, mit Frauchen zu spielen. Speiübel ist es ihm. Kein Wunder, denn die wohlschmeckende Pflanze enthielt ein Gift, das dem Kater nun buchstäblich auf die Leber geschlagen hat. Dass gewisse Pflanzen giftig sind, war weder Kater Carlo noch seinem Frauchen bewusst.

Verdauungshilfe

Die Leber hat vielerlei Funktionen zu erfüllen. Zum einen entgiftet sie den Körper, zum andern sondert sie Zucker ab und baut Fett, Eiweiss und Stärke (Glykogen) auf. Zudem speichert sie Vitamine, Fette, Plasmoproteine und bildet und scheidet den Farbstoff Bilirubin sowie das Sekret Galle aus. Kurz: Die Leber hilft bei der Verdauung.
Sie ist in ihrem Verhalten recht gutmütig und verzeiht vieles – uns Menschen etwa den Alkohol, wenn wir ihn nicht übermässig konsumieren. Doch ist sie auch nicht unbeschränkt belastbar. Leberschädigungen haben denn auch vielfältige Ursachen. Bakterien und Viren können eine Leberinfektion (Hepatitis) auslösen. Ein zu reichhaltiges Futterangebot und Giftstoffe können zur Verfettung der Leber führen. Bei Herzerkrankungen tritt oft eine sogenannte Stauungsleber auf. Im Alter befallen die Leber recht häufig Geschwüre (Tumoren). Die grösste Drüse im tierischen und im menschlichen Körper erholt sich bei heilbaren Erkrankungen wieder gut. Auch wenn neun Zehntel der Leber erkrankt sind, kann das Organ im günstigsten Fall wieder seine alte Funktionsfähigkeit erreichen.
Fieber, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Bauchumfangerweiterung, Abmagerung und vor allem Gelbsucht können erste Anzeichen für eine mögliche Lebererkrankung sein. Dabei tritt die für eine schwere Leberstörung typische Gelbsucht (Ikterus) meist erst nach Tagen auf. Sie ist auf den Farbstoff Bilirubin zurückzuführen.

Mehrere Untersuchungen

Erst mehrere Blutuntersuchungen lassen den Tierarzt eine vermutete Lebererkrankung erkennen. Die einmalige Blutuntersuchung genügt noch nicht. Sie gibt häufig nur die Situation der beiden vorangegangenen Tage wieder. Vielmehr muss mit einer oder zwei Blutnachkontrollen der Zustand der Leber überwacht werden. Bei diesen Blutuntersuchungen werden die leberspezifischen Enzyme gemessen. Diese Werte lassen den Tierarzt den Schweregrad der Lebererkrankung erkennen.
Eigentliche Lebermedikamente sind nicht oder nur in unterstützender Form vorhanden. Im akuten Fall wird ein erkranktes Tier mittels Infusionen tagelang künstlich ernährt. Damit wird die Leber in ihrer Funktion ruhiggestellt und kann sich selber wieder erholen.
In leichteren Fällen genügt oft schon eine fettfreie Leberschondiät: leicht verdaulichen Kost soll der Selbstheilungsprozess dieses Körperorgans vorangetrieben werden.

Abmagerungskur

Hat das Tier eine sogenannte Fettleber, hilft ihm nur eine Abmagerungskur. Es sei denn, die Fettleibigkeit hat eine andere Ursache, etwa Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Bösartigen Lebertumoren stehen wir Tierärzte leider chancenlos gegenüber. In solchen Fällen ist es ratsam, das Tier von seinem Leiden zu erlösen.

© Heinz Berli